Die neue Privatheit in der Öffentlichkeit

Und es gibt sie doch: Die neu Privatheit in der Öffentlichkeit. Vielleicht sogar wegen der neuen Offenheit und den Segnungen des Web 2.0 mit seinen Blogs, Zwitschereien, Wikis und nicht zuletzt Social Networks. Was meine ich damit? Ich schreibe diesen Blogbeitrag, wohlwissend, dass ich bislang nur einen(!) regelmäßigen Leser habe – vielleicht liest aber auch nicht einmal wirklich. Ich schreibe also vielleicht doch eher für mich mit dem schönen Gefühl, etwas World-Wide gesagt zu haben. Weil ja immerhin die Möglichkeit besteht, dass meine Beiträge von jedem Menschen gelesen werden könnten.

Ist nicht gerade die neue Flut von Informationen dafür verantwortlich, dass meine Beiträge unbeachtet bleiben im großen Fluss? Der Long Tail ist nunmal sehr lang und irgendwo am Ende des Schwanzes bleibt auch noch ein Plätzchen für meine Beiträge. Würde Informationsmangel herrschen, wäre das vielleicht ganz anders. Gerade wegen der ungeheuren Informationsmasse kann ich also ganz öffentlich meine Privatheit pflegen.

Die andere Seite

Als Koordinator eines E-Learning-Projektes im Themenfeld E-Lectures muss ich oft Überzeugungsarbeit leisten und höre meist auch in diesem Feld die immer gleichen Argumente (siehe mein letztes Posting). Immer wieder vorgebracht wird: „Ich will aber nicht auf YouTube landen!„, die betreffenden Lehrenden sehen sich bereits vor ihrem geistigen Auge mit einem Versprecher millionenfach durch den Kakao gezogen – welch Balamage das wohl wäre. Abgesehen davon, dass sie die Handy-Filmer vergessen und auch, dass dieses Phänomen im universitären Bereich nach meiner Recherche bislang unbekannt ist (ich weise immer auf die rechtlichen Folgen für den Veröffentlicher hin), wird sich schlicht und einfach kein Mensch dafür interessieren. Technisch gesehen werden die produzierten E-Lectures ohnehin in einem geschützten Bereich abgelegt und stehen auch dort nicht zum Download-Bereich zur Verfügung und sind nur mit allerlei technischen Tricks überhaupt konservierbar.

Noch einmal: Zur Bedeutuungslosigkeit für eine große Öffentlichkeit kommen der fehlende Zugriff, die hohen technischen Hürden und die rechtlichen Konsequenzen für den Bösewicht. Das alles zusammen senkt die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten des YouTube-Ereignisses schätzungsweise noch unter die Warscheinlichkeit von sechs Richtigen mit Zusatzzahl (die immerhin werden regelmäßig auch getroffen).

Tja und doch kenne auch ich das: Ist der Jackpott mal wieder prall gefüllt, kommt es alle 3-4 Jahre einmal vor, dass ich doch Lotto spiele. Und bei der Ziehung der Lottozahlen sitzte ich dann ganz aufgeregt da und fühle meine große Stunde. Die Ernüchterung nach jeder gezogenen Kugel läßt mich dann immerhin bewußt werden, dass ich mich nicht zu wichtig nehmen sollte.


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