Mobile Geräte an der Hochschule – BYOD als Synonym für „Das Böse“?

Die Themen „Mobile Apps“ und „Tablet Computing“ sind schon durch, ich weiß. Dennoch muss ich diesen Beitrag noch loswerden: Der Trend geht in eine entgegengesetzte Richtung – zumindest wenn ich den sich mehrenden Berichten Glauben schenken darf, welche aus den Lehrveranstaltungen meiner Hochschule kommen. Da werden Notebooks, Tablets und am manchmal auch Smartphones mittlerweile aktiv ausgesperrt, da die Studierenden zwischendurch gerne auf Facebook & Co mit ihren Freunden im Kontakt bleiben wollen. Das Strickzeug hat offenbar ausgedient und Schlafen in der Vorlesung gilt in unserer schnelllebigen Zeit wohl auch als Zeitverschwendung – mit fatalen Folgen: Viele Lehrende machen mittlerweile Front gegen die Angriffe auf die ehemals zumindest in Echtzeit nicht hinterfragbare Autorität und das erneute Lüften der Talare und fühlen sich nicht mehr Ernst genommen. Ein bisschen überspitzt – vielleicht. Aber Mobile Devices polarisieren zumindest nach meiner Wahrnehmung ganz extrem. Da gibt es auf der einen Seite die gerade beschriebene Mehrheit der Skeptiker und auf der anderen Seite eine relativ kleine Zahl Lehrender, die an die Selbstverantwortung der Studierenden appellieren, jedoch dafür erwarten, dass die Prüfungsleistungen am Ende stimmen.

Und ich glaube, das Problem liegt an einer ganz anderen Stelle: An der fehlenden Kompetenz im Umgang mit den neuen Technologien und noch neueren Diensten – auf Seiten der Lehrenden, vor allem aber auch der Studierenden. Aufmerksamkeit ist aber nicht teilbar – wenn ich im Web surfe, kann ich wohl kaum gleichzeitig dem Vortragenden lauschen. Ein Problem übrigens, welches bezüglich der OPCO-Live-Events und der dortigen Begleitchats später in den Blogbeiträgen genannt wird: Früher oder später kommt man entweder im Vortrag oder im Chat nicht mehr mit. Als Lösung finde ich ja an dieser Stelle die Aufzeichnungen (auch von Vorlesungen) so interessant, weil es eine Pausentaste sowie die Möglichkeit zum Zurückspulen gibt. Haben wir aber in der Lehrveranstaltung meist nicht und stattdessen ein Problem.

Neulich hatte ich einmal wegen einer Krankheitsvertretung Gelegenheit, eine spannende Vorlesung selbst aufzuzeichnen, es ging um die biologischen Grundlagen des Lernens. Die Dozentin sprach immer wieder von der „Depolarisierung“ einer Nervenzelle und ich hatte keine Ahnung, was sie meint, denn diese Inhalte wurden bereits in der Vorwoche besprochen. Smartphone raus, kurz gegoogelt und aahhhhh – ich war wieder im Thema drin. Zugegeben, in manch anderer Vorlesung hätte ich vielleicht lieber aus Langeweile Facebook bevorzugt – warum auch nicht.

BYOD – Bring Your Own Device bringt also gleichermaßen Informations- und Ablenkungsmöglichkeiten mit – meine Freunde sind auch im Hörsaal dank Facebook bei mir. Und ich habe noch niemanden gefunden, der den Studierenden/Schülern erklären könnte, wie man das vernünftig auseinanderhält und ganz konkret macht. „Notebooks raus!“ versteht jeder, ist mir aber zu einfach.

Wie seht ihr das? Wie läuft das in anderen Hochschulen? Und gibt es das Problem in den Schulen, die mit mobilen Geräten experimentieren eigentlich auch? Mobile Devices rein oder raus?

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One Response to Mobile Geräte an der Hochschule – BYOD als Synonym für „Das Böse“?

  1. bildungscafe sagt:

    Die Frage ist, worin liegt das Problem?

    Ein Studium kann ja aus sehr unterschiedlichen Gründen aufgenommen werden. Möchte der Lernende sich bilden und einen Abschluss erlangen, wird er sich mit den Inhalten auseinandersetzen. Wie er das macht, ist jedoch seine Entscheidung (Nürnberger Trichter hat noch nie funktioniert). Ist er medienkompetent: „Medienkompetenz bezeichnet die Fähigkeit, Medien und ihre Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend zu nutzen.“ (Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Medienkompetenz), dann kann er auch entscheiden, wann er welche Medien für welche Ziele einsetzt. Grundsätzlich geht man natürlich davon aus, dass ein Studierender eine Vorlesung besucht, weil er an den Inhalten interessiert ist. Entspricht die Vorlesung nicht seinen Vorstellungen, könnte er in dieser auch aus der Thematik aussteigen. Die Frage für den Lehrenden sollte dann sein, warum ist es so?

    Multitasking wird zwar oft propagiert, scheint aber für Menschen eher ungeeignet. Aus meiner Sicht, sollte das auch bezüglich Medienkompetenz thematisiert werden.

    Verantwortung an den Lernenden abgeben, heisst eben immer auch, dass dieser Strategien haben muss, zu entscheiden, wann er was macht. Eine Lösung könnte sein, dies gleich am Anfang des Studiums mit Studierenden zu thematisieren, dazu müssten aber auch Hochschulen bereit sein, mit den Studierenden ins Gespräch zu gehen. Wie nutze ich Medien und was machen diese mit mir?

    Das Anbieten von Vorlesungsaufzeichnungen ist eine gute Lösung. So könnte jeder Studierende gleich entscheiden, gehe ich in die Vorlesung, verfolge ich sie später oder setze ich mich mit den Stoff auf eine andere Weise auseinander. Hier kommen auch freie Bildungsressourcen ins Spiel.

    Und zum Schluss, da ich selbst zur Zeit ein Fernstudium absolviere, ich würde mir bei manchen Stoffgebieten Vorlesungen wünschen und beneide dann jeden Studierenden, der dieses Angebot hat. Und so ist es ja auch zu sehen, es ist ein Lernangebot, dass jeder Studierende für sich nutzen kann. Die Geräte raus aus der Vorlesung sind für mich keine Lösung (man kann auch Bildchen auf sein Papier malen).

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