Meilenstein 01 – Connectivism und eine App

9. Mai 2011

Jochen Robes hat mich in seinem Weiterbildungsblog auf das beeindruckende Video „Thoughts on Connectivism“ von Debbie Kroeker auf vimeo aufmerksam gemacht. Es beginnt mit dem kompromisslosen Satz von George Siemens: „Have you ever thought about how completely irrelevant structured learning is?“ und zeigt am Beispiel des grandiosen Chor-Projektes von Eric Whitacre die Kraft, welche hinter (sozialen) Netzwerken stecken kann („Connectivism“).

Die Entstehung zeigt Whitacre übrigens sehr schön in einem TED Talks-Vortrag.

Siemens‘ Aussage würde ich in seiner Radikalität so nicht stehen lassen, aber sie regt doch – zumindest mich – zum Nachdenken an. Sie bildet einen attraktiven Gegenpol zu dem, was die meisten von uns in der eigenen schulischen Biografie kennenlernen mussten und uns nun vielleicht bei den eigenen Kindern aus anderer Perspektive neu begenet. Wer hat das neulich so treffend „Bulimie-Wissen“ genannt?

Aber auch das ist ungerecht – an so manche Lehrerin oder manchen Lehrer erinnert man sich gerne zurück, weil diese anders waren und der Funke ihrer Faszination am Fach auf uns überspringen konnte. So entstand aus institutionell organisiertem Lernen doch plötzlich das, was wir heute vielleicht mit intrinsischer Motivation am Thema bezeichnen würden.

Unterstützung meines Lernens mit einer App

Vor ein paar Tagen erst habe ich mir einen Datenvertrag zum (Android-)Smartphone gegönnt und durfte sehr schnell erkennen, wie Technik Lernen entscheidend unterstützen kann: Ich muss gestehen, dass mein Englisch-Wortschatz die eine oder andere Lücke aufweist. Normalerweise habe ich für solche Fälle mein Leo.org, um die Wörter nicht nur nachzuschlagen, sondern auch gleich in den Trainer zu übertragen. Kostet leider i.d.R. Zeit und hemmt den Lesefluss erheblich, zu viele Schritte sind nötig und lenken vom eigentlichen Thema ab. Bei Debbie Kroeker habe ich es zudem  mit einem Video zu tun, copy & paste wollen da auch nicht so recht funktionieren.

Hier kommt nun „meine“ App ins Spiel. Ihr Name: CamTranslator. Ich halte das Video an, richte die Kamera meines Smartphones auf das unbekannte Wort auf dem Bildschirm und erhalte sofort die Übersetzung. Meine Irritation wegen der fehlenden Vokabel ist aufgehoben, weiter geht’s. Noch zwei weitere kurze Unterbrechungen und das Video hinterlässt mich nachdenklich. Auch wegen des Inhaltes, aber viel mehr noch wegen der Art, wie ich mir gerade Wissen angeeignet habe. Kein umständliches und ablenkendes Nachschlagen wie früher im Wörterbuch (erst in der gedruckten Fassung, dann am PC, schließlich online), bis ich die Seite endlich gefunden habe. Nun einfach Kamera draufhalten und weiterlesen. So einfach wie ein Toaster:

Und ich frage mich, wie lange wird es dauern, bis solche Werkzeuge etabliert sein werden und Smartphones (oder Tablets oder was auch immer) nicht als Feind, sondern als nützliche Helfer auch in den Schulen Einzug halten werden. So wie einst der Taschenrechner vielleicht.

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