Clever: ARTigo lässt auf spielerische Weise Kunstwerke verschlagworten

22. Mai 2012

Gerade bin ich über das Projekt ARTigo auf SPIEGEL online  gestolpert, welches auf interessante Weise die Verschlagwortung von Kunstwerken mit einem Spiel lösen möchte. Nach dem Ausprobieren habe ich mich gleich einmal gefragt, ob es sich dafür nicht lohnen würde, z.B. im Kunstunterricht in der Schule einmal den Computerraum für eine Stunde zu reservieren. Denn neben dem eigentlichen Spiel lernt man auch eine ganze Menge und beschäftigt sich sehr intensiv mit den gezeigten Kunstwerken.

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Zum Spiel gibt es auch ein Tutorial, welches man aber nicht zwingend braucht, denn das Spiel ist sehr simpel: Man tritt gegen einen zweiten Mitspieler an, der zufällig zugeteilt wird und hat die Aufgabe, fünf Kunstwerke zu verschlagworten. Verwendet man gleiche Schlagworte gibt es 25 Punkte, wurde das Wort schon einmal in früheren Spielen genannt immerhin noch 5. Am Ende des Spieles gibt es dann noch Hintergrundinformationen zu den Bildern und eine Auswertung.

Was mir so besonders an der Idee gefällt ist, dass das Spielergebnis in Form einer Folksonomy einen eigenen Wert hat und später Kunstinteressierten das Auffinden der Werke durch die Social Tags erleichtert – ganz abgesehen davon, dass Kunstinteresse hier natürlich auch geweckt wird.

Daher unbedingt ausprobieren: http://www.artigo.org/


Mobile Geräte an der Hochschule – BYOD als Synonym für „Das Böse“?

21. Mai 2012

Die Themen „Mobile Apps“ und „Tablet Computing“ sind schon durch, ich weiß. Dennoch muss ich diesen Beitrag noch loswerden: Der Trend geht in eine entgegengesetzte Richtung – zumindest wenn ich den sich mehrenden Berichten Glauben schenken darf, welche aus den Lehrveranstaltungen meiner Hochschule kommen. Da werden Notebooks, Tablets und am manchmal auch Smartphones mittlerweile aktiv ausgesperrt, da die Studierenden zwischendurch gerne auf Facebook & Co mit ihren Freunden im Kontakt bleiben wollen. Das Strickzeug hat offenbar ausgedient und Schlafen in der Vorlesung gilt in unserer schnelllebigen Zeit wohl auch als Zeitverschwendung – mit fatalen Folgen: Viele Lehrende machen mittlerweile Front gegen die Angriffe auf die ehemals zumindest in Echtzeit nicht hinterfragbare Autorität und das erneute Lüften der Talare und fühlen sich nicht mehr Ernst genommen. Ein bisschen überspitzt – vielleicht. Aber Mobile Devices polarisieren zumindest nach meiner Wahrnehmung ganz extrem. Da gibt es auf der einen Seite die gerade beschriebene Mehrheit der Skeptiker und auf der anderen Seite eine relativ kleine Zahl Lehrender, die an die Selbstverantwortung der Studierenden appellieren, jedoch dafür erwarten, dass die Prüfungsleistungen am Ende stimmen.

Und ich glaube, das Problem liegt an einer ganz anderen Stelle: An der fehlenden Kompetenz im Umgang mit den neuen Technologien und noch neueren Diensten – auf Seiten der Lehrenden, vor allem aber auch der Studierenden. Aufmerksamkeit ist aber nicht teilbar – wenn ich im Web surfe, kann ich wohl kaum gleichzeitig dem Vortragenden lauschen. Ein Problem übrigens, welches bezüglich der OPCO-Live-Events und der dortigen Begleitchats später in den Blogbeiträgen genannt wird: Früher oder später kommt man entweder im Vortrag oder im Chat nicht mehr mit. Als Lösung finde ich ja an dieser Stelle die Aufzeichnungen (auch von Vorlesungen) so interessant, weil es eine Pausentaste sowie die Möglichkeit zum Zurückspulen gibt. Haben wir aber in der Lehrveranstaltung meist nicht und stattdessen ein Problem.

Neulich hatte ich einmal wegen einer Krankheitsvertretung Gelegenheit, eine spannende Vorlesung selbst aufzuzeichnen, es ging um die biologischen Grundlagen des Lernens. Die Dozentin sprach immer wieder von der „Depolarisierung“ einer Nervenzelle und ich hatte keine Ahnung, was sie meint, denn diese Inhalte wurden bereits in der Vorwoche besprochen. Smartphone raus, kurz gegoogelt und aahhhhh – ich war wieder im Thema drin. Zugegeben, in manch anderer Vorlesung hätte ich vielleicht lieber aus Langeweile Facebook bevorzugt – warum auch nicht.

BYOD – Bring Your Own Device bringt also gleichermaßen Informations- und Ablenkungsmöglichkeiten mit – meine Freunde sind auch im Hörsaal dank Facebook bei mir. Und ich habe noch niemanden gefunden, der den Studierenden/Schülern erklären könnte, wie man das vernünftig auseinanderhält und ganz konkret macht. „Notebooks raus!“ versteht jeder, ist mir aber zu einfach.

Wie seht ihr das? Wie läuft das in anderen Hochschulen? Und gibt es das Problem in den Schulen, die mit mobilen Geräten experimentieren eigentlich auch? Mobile Devices rein oder raus?


TED-System ARSnova als Musterbeispiel einer plattformübergreifenden App im Hochschuleinsatz – Chapeau!

30. April 2012

Seit wenigen Wochen laden Prof. Klaus Quibeldey-Cirkel und sein Team unserer Nachbarhochschule, der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM), zum Gebrauch und Test ihres Audience-Respose-Systems ARSnova mit (nahezu) beliebigen, webfähigen Geräten ein. E-Teaching.org berichtete vor 6 Wochen hier.

Da es sich bei TED-Systemen aus meiner Sicht um eine der ganz großen E-Learning-Anwendungen mit didaktischem Mehrwert handelt, trage ich schon seit langer Zeit alle Informationen in einer MindMap zusammen und fördere den Einsatz wo ich nur kann.

An der JLU Gießen sind einige solcher Systeme unterschiedlicher Hersteller im Einsatz, es sind eigenständige Geräte (Klicker), die speziell für diese Verwendung angeschafft wurden. Die Kosten (= Problem 1) für diese “single function devices“ sind recht erheblich, so dass es nur selten gelingt, einen ganzen Jahrgang eines Studienganges damit auszustatten. Üblicherweise wurden also kleinere Sets (i.d.R. zw. 25 und 50 Geräten) angeschafft, die zum Gebrauch vor Vorlesungsbeginn an einen Teil (= Problem 2) der Studierenden verteilt werden müssen (= Problem 3). Die Lehrenden haben dann meist noch im Vorfeld einen Kampf mit spezieller Hardware (= Problem 4) und Software zu führen, wobei letztere neben dem Problem fehlender Benutzerfreundlichkeit  (= Problem 5) auch noch gerne Systemabstürze oder Funktionseinschränkungen  (= Problem 6) bereithält. Am Ende der Vorlesung wird auf Rückgabe gehofft  (= Problem 7) und ggf. steht die Wartung (z.B. Akkus = Problem 8) an.

Die Ausführungen machen deutlich, dass man schon echter „Fan“ mit hoher Frustrationstoleranz sein muss, um sich dies anzutun. Ein solcher Lehrender ist Herr Prof. Siegfried Schindler (Institut für Anorganische und Analytische Chemie an der JLU Gießen). Den Regelbetrieb des hardware-basierten TED-Systems hat er inzwischen wegen des hohen Aufwandes aufgegeben. Prof. Schindler war jedoch m.W. einer der ersten, die die Einladung der THM wahrnahmen; in den vergangenen zwei Wochen absolvierte er bereits einige Einsätze, die allesamt sehr positiv waren: Im ersten Test wurden die Studierenden überrascht und spontan konnten sich diejenigen sofort beteiligen, die über eine eduroam-WLAN oder UMTS-Verbindung im Hörsaal verfügten. Im Hörsal gesehen habe ich Studierende mit Smartphones (iPhone, Android), Tablets sowie Note- und Netbooks. ARSnova arbeitet HTML5-basiert und setzt daher einen entsprechenden Browser voraus, Notebooks nur mit IE oder Firefox blieben daher wohl außen vor. Beim Rest klappte es erstaunlich gut, auf Anhieb waren 28 Studierende (von insgesamt schätzungsweise anwesenden 130) mit dem System verbunden und beteiligten sich – das waren schon mehr, als mit dem alten System (max. 25) hätten arbeiten können. Beim zweiten Einsatz waren schon 56 Studierende dabei.

Ich will kurz die Vorteile anhand der eben geschilderten Probleme zeigen:

  1. Das Angebot ist kostenlos.
  2. Die Studierenden sind auch heute noch nur zum Teil mit internetfähigen Geräten ausgestattet, allerdings ist die Abdeckung höher als bei den vorhandenen Klickern.
  3. Verteilung entfällt, da Geräte im Besitz der Studierenden.
  4. Die HTML5-App läuft im Browser.
  5. Erster Eindruck von ARSnova: Intuitiv bedienbar, übersichtlich, einfach, stabil.
  6. Nur HTML5-fähiger Browser erforderlich.
  7. Rückgabe entfällt.
  8. Zentrale Wartung entfällt.

Nachteile und ein paar kleinere Bugs gibt es sicher auch ein paar wenige (zumal das System ständig weiterentwickelt wird), aber insgesamt lässt sich damit schon verdammt gut arbeiten. So gut zumindest, dass Prof. Schindler schon den Regeleinsatz eingeläutet hat.

Ein paar Worte noch zur Anwendung selbst: Nach dem Start über https://ars.thm.de/ landet man als Gast, nachdem man die Session-ID der Veranstaltung eingegeben hat, direkt im Feedback und kann den Dozenten jederzeit zwischendurch Rückmeldung zum Tempo geben, dies wird beim Lehrenden als Ampel angezeigt, deren Farbe sich nach dem Mittelwert bestimmt. Es können auch Zwischenfragen gestellt werden, die z.B. in der Pause vom Lehrenden gesichtet werden können:

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Die Screenshots habe ich auf meinem Desktop-PC gemacht, daher sind sie nicht ganz so schick, wie auf dem Smartphone.

Kern der Anwendung sind allerdings die vom Lehrenden vorbereiteten Fragen, die zur Abstimmung stehen. Etwas phantasielos habe ich mal ein Beispiel gebaut:

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Natürlich kann dann auch am Ende oder während der Abstimmung (man sieht immer, wie viele schon geantwortet haben) eine Balkengrafik mit den Ergebnissen anzeigen – das hat auch einen Spaßfaktor.

Ganz wichtig: Die Abstimmungen erfolgen völlig anonym – und hier liegt auch einer der großen Vorteile solcher Abstimmungssysteme gegenüber direkten Fragen an die Studierenden oder auch die Abstimmung per Handzeichen (und: wer zählt?).

Schon vor knapp 2 Jahren gab es übrigen schon ähnliche Apps wie z.B. twtpoll (http://twtpoll.com/), die zeigten, wie man auch Smartphones für Abstimmungen nutzen könnte. Es hat lange gedauert, bis die Technik im Hochschulbereich auf diesem Niveau angekommen ist. Die Umsetzung an der THM ist -finde ich- der Hammer! Also: unbedingt ausprobieren!

Weitere Infos, Kontaktdaten etc. gibt es über den e-teaching.org-Link oben.

So und nun bin ich gespannt auf Eure Kommentare, insbesondere von denen, die Erfahrungen mit anderen TED-Systemen gemacht haben!