Evaluation von Vorlesungsaufzeichnungen – klare Mehrwerte erkennbar!

7. Juni 2013

Zweimal im Jahr darf ich meiner Lieblingstätigkeit nachgehen, der Auswertung der Evaluationen zu unseren Vorlesungsaufzeichnungen. Ich vertrete ja schon seit Jahren überzeugt die Meinung, dass bereits die reine Online-Verfügbarkeit der Vorlesungen zu einem Mehrwert im Vergleich zur Präsenzveranstaltung führt (http://lecture2go.uni-hamburg.de/konferenzen/-/k/13303). Mein Hauptargument ist dabei, dass die Informationsdarbietung dem eigenen Lerntempo angepasst werden kann, so dass Inhalte beliebig oft wiederholt werden können und auch jederzeit die Pausentaste ertragreich genutzt werden kann. Der Beleg für meine These findet sich regelmäßig in den Evaluationsergebnissen, die wir in verschiedenen Formen auf der zugehörigen Projektseite anbieten.

Dort findet sich einerseits eine grafisch aufbereitete Zusammenfassung der Evaluationsergebnisse aus den vergangenen sechs Semestern als pdf-Dokument – immerhin kommen hier mittlerweile 2658 Stimmen aus drei Jahren zusammen.

Neben dieser statistischen Erhebung sammle ich jedoch auch immer noch textbasierte Rückmeldungen. Diese hier verfügbare Zitatesammlung ist eine Art Schatzkästlein, in welches ich gerne immer wieder einmal hineinschaue. Geordnet ist diese Sammlung in Rückmeldungen von sog. Teilzeitstudierenden (z.B. Studierende mit Kind, Job, etc.), chronisch Kranken und Behinderten sowie Regelstudierenden.

Hier ein paar meiner Lieblingszitate:

„Für mich haben E-Lectures generell den Vorteil, dass ich bei Verständnisproblemen (inhaltlich), punktuell die VL unterbrechen kann und dieses etwaige Problem z.B. durch Sekundärliteratur bearbeiten und meine Notizen zur VL ergänzen kann.“

„E-Lectures finde ich super! Vor allem um flexibel mit Kind studieren zu können, d.h. ICH suche mir aus, wann ich mich mit dem Stoff beschäftige. Das setzt Organisationsvermögen und Willen seitens der Studenten voraus, aber das sollte man ruhig von uns erwarten.“

 „Bringt mir persönlich wahnsinnig viel, da ich hierdurch viel effizienter lernen und nachbearbeiten kann. Es bleibt mir hierdurch mehr Zeit zum Verständnis, weil ich mir alles öfter anhören und mitschreiben kann, als in der Vorlesung.“

„Vorteile sehe ich definitiv darin, dass man beliebig lange an einer Stelle im Video verweilen kann und ggf. zurückspulen kann. Das geht in der Präsenzveranstaltung natürlich nicht. So kann man sogar parallel bei Unklarheiten „googeln“ und man kann IMMER folgen!“

 „Da ich selbst entscheiden kann, wann ich eine Pause einlege und vor allem – WIE OFT – ich mir eine Erklärung anhöre, ist der Lernzuwachs dieser Veranstaltung durch das E-Lecture Angebot enorm hoch im Vergleich zu anderen VL!!!“

„Die E-Lectures erleichtern mir das Studium extrem! Meine Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitäts-/Konzentrationsprobleme sorgen dafür, dass ich in einer Vorlesung nach spätestens 15 Minuten vollkommen abschalte. Mit den E-Lectures benötige ich zwar 3-4 Stunden pro Vorlesung, habe diese danach aber auch zusammengefasst und verstanden.  Außerdem kann ich so lernen, wenn ich mich bereit dafür fühle. Das passiert nicht selten zwischen 9 Uhr abends und 3 Uhr morgens.“

Die Sammlung zeigt insgesamt ein großes Spektrum an Aspekten, welches ich hier kurz nennen möchte:

  • Vertieftes Verständnis des Inhalte
  • Individuelleres Lernen möglich
  • Flexibilisierung des Studiums/organisatorische Erleichterungen
  • Bessere Vor- und Nachbereitung der Präsenzveranstaltung, Prüfungsvorbereitung

Diese Sammlung kann ich allen nur ans Herz legen, die sich mit den Themen Vorlesungsaufzeichnung oder Flipped/ Inverted Classroom beschäftigen und unterstützende Argumente suchen.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch auf das Poster „Flexibilität und Mehrwert von Vorlesungsaufzeichnungen – Argumente, Wege, Wirkungen“ hinweisen, welches die beliebtesten Gegenargumente in den Blick nimmt.

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Persönliche Meilensteine

9. Mai 2011

Manchmal werden sie merkbar, die Meilensteine meiner persönlichen Entwicklung. Wenn ich minutenlang fast regungslos verharre, um den neuen Eindruck oder die neue Erkenntnis zu verarbeiten, um die Bedeutung für mein Leben zu erfassen, ihm/ihr die Chance zu geben, mich zu „bilden“.

Wenn es denn einen Anlass für mich Gelegenheitsblogger geben sollte, einen Beitrag zu verfassen, dann doch diese Meilensteine. Und eine laufende Nummer werde ich ihnen nun auch gönnen, ohne damit ausdrücken zu wollen, dass Meilensteine erst jetzt in mein Leben treten. Sicher werde ich es mir nicht nehmen lassen, alte Meilensteine noch einmal aufzugreifen, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Anlass für Meilenstein 01 ist ein Video, auf welches mich Jochen Robes in seinem Weiterbildungsblog aufmerksam gemacht hat, doch mehr dazu unter „Meilenstein 01“.


Innovationen gedämpft vom Urheberrecht?

21. Juli 2010

Thomas F. Dapp (Deutsche Bank) formuliert einen interessanten Gedanken zum Thema Urheberrecht im aktuellen Deutsche Bank Research-Report „Der Pirat in uns-in den Tiefen des Urheberrechts“. Auf Seite 5 findet sich z.B. folgender Absatz:

Das Urheberrecht in seiner extremen Form „all rights reserved“ kann Kreativität unterdrücken. Im schlimmsten Fall hemmt es dadurch Innovationspotenzial. Es stellt sich daher die Frage, ob im digitalen Zeitalter ein Interessenkonflikt zwischen dem Verständnis des Urheberrechts als Quelle oder als Behinderung von Innovation existiert.

Aus meiner Sicht ist dies ein erfrischender Blick aus der anderen Richtung. Üblicherweise wird die Diskussion bestimmt von der „alten Welt“, Ausgangspunkt ist die Verletzung von (Urheber-) Rechten, beklagt wird der lachse Umgang damit durch eine „Net-Generation“ und allenfalls denkt man darüber nach, wie man der unaufhaltsamen Flut durch neue Regelungen wieder Herr werden könnte. Die positive Seite der Mash-ups, der Remix-Kultur und des Social Web im Ganzen, nämlich das darin innewohnende ungeheure Innovationspotenzial, wird nur sehr selten beleuchtet und als eigenständiger Wert erkannt.

Im Report wird für einen Interessensausgleich plädiert, zu dem ein gleichberechtigtes Einbringen der Positionen gehört:

Während die Rechteverwerter durch ihre kostenintensiven Lobbyanstrengungen um eine stärkere Durchsetzbarkeit des herrschenden Urheberrechts plädieren, um an ihren teils überholten Geschäftsmodellen festzuhalten, treten die Interessen der Kreativschaffenden sowie die der Internet-Nutzer in den Hintergrund. Eine erfolgreiche Urheberrechtsreform kann gelingen, wenn neben den Rechteverwertern, den Künstlern selbst auch die Interessen der Internet-Nutzer mit angehört werden.

Und weil es einfach so schön zu lesen ist, hier noch der im Report zitierte Rechtsprofessor Lawrence Lessig (Creative-Commons):

Überregulierung erstickt Kreativität. Es unterdrückt Innovation. Es gibt Dinosauriern ein Veto über die Zukunft. Es verschwendet die außerordentlichen Möglichkeiten für demokratische Kreativität, die digitale Technologien beinhalten.


Die neue Privatheit in der Öffentlichkeit

9. Juli 2010

Und es gibt sie doch: Die neu Privatheit in der Öffentlichkeit. Vielleicht sogar wegen der neuen Offenheit und den Segnungen des Web 2.0 mit seinen Blogs, Zwitschereien, Wikis und nicht zuletzt Social Networks. Was meine ich damit? Ich schreibe diesen Blogbeitrag, wohlwissend, dass ich bislang nur einen(!) regelmäßigen Leser habe – vielleicht liest aber auch nicht einmal wirklich. Ich schreibe also vielleicht doch eher für mich mit dem schönen Gefühl, etwas World-Wide gesagt zu haben. Weil ja immerhin die Möglichkeit besteht, dass meine Beiträge von jedem Menschen gelesen werden könnten.

Ist nicht gerade die neue Flut von Informationen dafür verantwortlich, dass meine Beiträge unbeachtet bleiben im großen Fluss? Der Long Tail ist nunmal sehr lang und irgendwo am Ende des Schwanzes bleibt auch noch ein Plätzchen für meine Beiträge. Würde Informationsmangel herrschen, wäre das vielleicht ganz anders. Gerade wegen der ungeheuren Informationsmasse kann ich also ganz öffentlich meine Privatheit pflegen.

Die andere Seite

Als Koordinator eines E-Learning-Projektes im Themenfeld E-Lectures muss ich oft Überzeugungsarbeit leisten und höre meist auch in diesem Feld die immer gleichen Argumente (siehe mein letztes Posting). Immer wieder vorgebracht wird: „Ich will aber nicht auf YouTube landen!„, die betreffenden Lehrenden sehen sich bereits vor ihrem geistigen Auge mit einem Versprecher millionenfach durch den Kakao gezogen – welch Balamage das wohl wäre. Abgesehen davon, dass sie die Handy-Filmer vergessen und auch, dass dieses Phänomen im universitären Bereich nach meiner Recherche bislang unbekannt ist (ich weise immer auf die rechtlichen Folgen für den Veröffentlicher hin), wird sich schlicht und einfach kein Mensch dafür interessieren. Technisch gesehen werden die produzierten E-Lectures ohnehin in einem geschützten Bereich abgelegt und stehen auch dort nicht zum Download-Bereich zur Verfügung und sind nur mit allerlei technischen Tricks überhaupt konservierbar.

Noch einmal: Zur Bedeutuungslosigkeit für eine große Öffentlichkeit kommen der fehlende Zugriff, die hohen technischen Hürden und die rechtlichen Konsequenzen für den Bösewicht. Das alles zusammen senkt die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten des YouTube-Ereignisses schätzungsweise noch unter die Warscheinlichkeit von sechs Richtigen mit Zusatzzahl (die immerhin werden regelmäßig auch getroffen).

Tja und doch kenne auch ich das: Ist der Jackpott mal wieder prall gefüllt, kommt es alle 3-4 Jahre einmal vor, dass ich doch Lotto spiele. Und bei der Ziehung der Lottozahlen sitzte ich dann ganz aufgeregt da und fühle meine große Stunde. Die Ernüchterung nach jeder gezogenen Kugel läßt mich dann immerhin bewußt werden, dass ich mich nicht zu wichtig nehmen sollte.



Pro und Kontra E-Learning – Argumente oder Einstellungen?

6. Juli 2010

Das wohl alle kennen, die sich mit E-Learning auseinandersetzen: Manche Menschen lassen sich selbst mit den  überzeugendsten Argumenten (z.B. der Unabhängigkeit von Zeit und Ort) und Gegenargumenten nicht von ihrer in unseren Augen sturen Meinung zum Thema abbringen. Es werden die immer gleichen und schon hundertfach gehörten Meinungen, Ängste und Vorbehalte gebracht, die ich schon lange auf einer Liste mit den natürlich noch besseren Erwiderungen sammle.

Und dann war da neulich dieser geniale Vortrag von Peter Kruse auf der re:publica 2010, der mir deutlich zeigte, dass diese Pro und Contra-Diskussionen ziemlich sinnlos sind, da es um viel grundlegendere Einstellungen -Kruse nennt sie Glaubensfragen- geht. Und da hat er in seiner Forschung ziemlich genau diese beiden Gruppen identifizieren (die Digital Visitors vs. Digital Residents) können – es ist auch nicht eine Frage des Alters, also einer Net-Generation etwa. Beise Gruppen diskutieren sich demnach die Köpfe in scheinbar auf sachlicher Ebene geführten Talkrunden heiß, ohne auch nur die geringsten Hoffnung auf eine Verständigung haben zu können. Dank Kruse kann ich das Ganze nun deutlich gelassener sehen.

Vielleicht sollte ich meine Liste auch einfach einmal mit zu einem solchen Gespräch nehmen, gebe diese meinen Kontrahenten, schlage vor, dass diese den Pro-Teil einfach abreißen und die Contra-Argumente vortragen (da findet man sicher auch noch viel Neues) und ich mache mir die Pro-Argumente zu eigen. Dann wäre zumindest viel Zeit gespart.

Dieses Anheben auf die Metaebene durch diesen etwas abstrusen Vorschlag (sicher gibt es auch noch cleverere Varianten) könnte dann vielleicht doch noch zu einem echten Austausch der Einstellungen führen, denn nur dieser beinhaltet eine -wenn auch geringe- Chance auf Veränderung.


Ideen zur Lösung der Finanz- und Wirtschaftskrise?

7. März 2009

Vielleicht wissen ja die Bürgerinnen und Bürger einen Ausweg aus der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Dies zumindest erhofft sich die CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit ihrem blogfraktion.de (http://blogfraktion.de) – bislang mit eher wenig Resonanz, aber das muss ja nicht so bleiben.

„Die Erkenntnisse aus Beiträgen und Kommentaren fließen in unsere parlamentarische Arbeit ein“ verspricht die CDU/CSU im Blog. Aus meiner Sicht ist dies ein interessanter Versuch in Richtung eDemokratie, bin sehr gespannt was die Fraktion tatsächlich daraus macht – und ob diese Form der Bürgerbeteiligung eine ernstzunehmende Möglichkeit für mehr Demokratie darstellt.

Also: Wer hat Ideen zur Bewältigung der Finanz- und Wirtschaftskrise? Los geht’s!


Meine Entdeckung des Tages: Prof. Peter Kruse

6. März 2009

Wer ist Prof. Peter Kruse?

http://www.nextpractice.de/unternehmen/prof-dr-peter-kruse/zur-person/vita/

Videostatements

Prof. Peter Kruse über Kreativität

Video-Interview für SCOPE_08

Kollektive Intelligenz in Wirtschaft und Gesellschaft, die Notwendigkeit der Lösung des Semantikproblems, Wertediskurse in Politik und Gesellschaft und vieles mehr.
Lutz Berger und Ulrike Reinhard im Video-Interview mit Prof. Dr. Peter Kruse für SCOPE_08:
http://www.youtube.com/view_play_list?p=6F8B805C5213A40B

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http://www.nextpractice.de/unternehmen/prof-dr-peter-kruse/zur-person/video-statements/

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