TED-System ARSnova als Musterbeispiel einer plattformübergreifenden App im Hochschuleinsatz – Chapeau!

30. April 2012

Seit wenigen Wochen laden Prof. Klaus Quibeldey-Cirkel und sein Team unserer Nachbarhochschule, der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM), zum Gebrauch und Test ihres Audience-Respose-Systems ARSnova mit (nahezu) beliebigen, webfähigen Geräten ein. E-Teaching.org berichtete vor 6 Wochen hier.

Da es sich bei TED-Systemen aus meiner Sicht um eine der ganz großen E-Learning-Anwendungen mit didaktischem Mehrwert handelt, trage ich schon seit langer Zeit alle Informationen in einer MindMap zusammen und fördere den Einsatz wo ich nur kann.

An der JLU Gießen sind einige solcher Systeme unterschiedlicher Hersteller im Einsatz, es sind eigenständige Geräte (Klicker), die speziell für diese Verwendung angeschafft wurden. Die Kosten (= Problem 1) für diese “single function devices“ sind recht erheblich, so dass es nur selten gelingt, einen ganzen Jahrgang eines Studienganges damit auszustatten. Üblicherweise wurden also kleinere Sets (i.d.R. zw. 25 und 50 Geräten) angeschafft, die zum Gebrauch vor Vorlesungsbeginn an einen Teil (= Problem 2) der Studierenden verteilt werden müssen (= Problem 3). Die Lehrenden haben dann meist noch im Vorfeld einen Kampf mit spezieller Hardware (= Problem 4) und Software zu führen, wobei letztere neben dem Problem fehlender Benutzerfreundlichkeit  (= Problem 5) auch noch gerne Systemabstürze oder Funktionseinschränkungen  (= Problem 6) bereithält. Am Ende der Vorlesung wird auf Rückgabe gehofft  (= Problem 7) und ggf. steht die Wartung (z.B. Akkus = Problem 8) an.

Die Ausführungen machen deutlich, dass man schon echter „Fan“ mit hoher Frustrationstoleranz sein muss, um sich dies anzutun. Ein solcher Lehrender ist Herr Prof. Siegfried Schindler (Institut für Anorganische und Analytische Chemie an der JLU Gießen). Den Regelbetrieb des hardware-basierten TED-Systems hat er inzwischen wegen des hohen Aufwandes aufgegeben. Prof. Schindler war jedoch m.W. einer der ersten, die die Einladung der THM wahrnahmen; in den vergangenen zwei Wochen absolvierte er bereits einige Einsätze, die allesamt sehr positiv waren: Im ersten Test wurden die Studierenden überrascht und spontan konnten sich diejenigen sofort beteiligen, die über eine eduroam-WLAN oder UMTS-Verbindung im Hörsaal verfügten. Im Hörsal gesehen habe ich Studierende mit Smartphones (iPhone, Android), Tablets sowie Note- und Netbooks. ARSnova arbeitet HTML5-basiert und setzt daher einen entsprechenden Browser voraus, Notebooks nur mit IE oder Firefox blieben daher wohl außen vor. Beim Rest klappte es erstaunlich gut, auf Anhieb waren 28 Studierende (von insgesamt schätzungsweise anwesenden 130) mit dem System verbunden und beteiligten sich – das waren schon mehr, als mit dem alten System (max. 25) hätten arbeiten können. Beim zweiten Einsatz waren schon 56 Studierende dabei.

Ich will kurz die Vorteile anhand der eben geschilderten Probleme zeigen:

  1. Das Angebot ist kostenlos.
  2. Die Studierenden sind auch heute noch nur zum Teil mit internetfähigen Geräten ausgestattet, allerdings ist die Abdeckung höher als bei den vorhandenen Klickern.
  3. Verteilung entfällt, da Geräte im Besitz der Studierenden.
  4. Die HTML5-App läuft im Browser.
  5. Erster Eindruck von ARSnova: Intuitiv bedienbar, übersichtlich, einfach, stabil.
  6. Nur HTML5-fähiger Browser erforderlich.
  7. Rückgabe entfällt.
  8. Zentrale Wartung entfällt.

Nachteile und ein paar kleinere Bugs gibt es sicher auch ein paar wenige (zumal das System ständig weiterentwickelt wird), aber insgesamt lässt sich damit schon verdammt gut arbeiten. So gut zumindest, dass Prof. Schindler schon den Regeleinsatz eingeläutet hat.

Ein paar Worte noch zur Anwendung selbst: Nach dem Start über https://ars.thm.de/ landet man als Gast, nachdem man die Session-ID der Veranstaltung eingegeben hat, direkt im Feedback und kann den Dozenten jederzeit zwischendurch Rückmeldung zum Tempo geben, dies wird beim Lehrenden als Ampel angezeigt, deren Farbe sich nach dem Mittelwert bestimmt. Es können auch Zwischenfragen gestellt werden, die z.B. in der Pause vom Lehrenden gesichtet werden können:

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Die Screenshots habe ich auf meinem Desktop-PC gemacht, daher sind sie nicht ganz so schick, wie auf dem Smartphone.

Kern der Anwendung sind allerdings die vom Lehrenden vorbereiteten Fragen, die zur Abstimmung stehen. Etwas phantasielos habe ich mal ein Beispiel gebaut:

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Natürlich kann dann auch am Ende oder während der Abstimmung (man sieht immer, wie viele schon geantwortet haben) eine Balkengrafik mit den Ergebnissen anzeigen – das hat auch einen Spaßfaktor.

Ganz wichtig: Die Abstimmungen erfolgen völlig anonym – und hier liegt auch einer der großen Vorteile solcher Abstimmungssysteme gegenüber direkten Fragen an die Studierenden oder auch die Abstimmung per Handzeichen (und: wer zählt?).

Schon vor knapp 2 Jahren gab es übrigen schon ähnliche Apps wie z.B. twtpoll (http://twtpoll.com/), die zeigten, wie man auch Smartphones für Abstimmungen nutzen könnte. Es hat lange gedauert, bis die Technik im Hochschulbereich auf diesem Niveau angekommen ist. Die Umsetzung an der THM ist -finde ich- der Hammer! Also: unbedingt ausprobieren!

Weitere Infos, Kontaktdaten etc. gibt es über den e-teaching.org-Link oben.

So und nun bin ich gespannt auf Eure Kommentare, insbesondere von denen, die Erfahrungen mit anderen TED-Systemen gemacht haben!

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